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Weniger ist mehr - Zertifizierungen für Insolvenzverwalter

Zertifizierungen sollen die Qualität und Kompetenz eines Unternehmens widerspiegeln. Oftmals stiften sie jedoch Verwirrung. Angesichts der Vielzahl der inzwischen erhältlichen Zertifizierungen für Insolvenzverwalter blicken selbst Branchenkenner nicht immer durch.

Karikatur - Weniger ist mehr - Zertifizierungen für Insolvenzverwalter

Nachfolgend ein Überblick über die gängigsten Zertifikate für das Qualitätsmanagement in unserer Branche.

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ISO 9001
ISO 9001 ist das bekannteste und über alle Branchen hinweg am weitesten akzeptierte Zertifikat für das Qualitätsmanagement in Unternehmen. Erwerben kann es jede Firma, die bestimmte Grundsätze erfüllt. Somit kann sich ein japanischer Fischhändler ebenso zertifizieren lassen wie ein deutscher Insolvenzverwalter. Vom Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands e.V. (VID) wird die ISO-Zertifizierung mittlerweile als Mindeststandard gefordert.

InsO 9001
Das InsO 9001 spezialisiert das ISO 9001 für die Branche und schließt die Grundsätze für ordnungsgemäße Insolvenzverwaltung ein. Entwickelt wurde das Zertifikat von einer Tochtergesellschaft der STP, einem Software-Anbieter für die Insolvenzverwaltung. InsO 9001 verlangt die Umsetzung der steuerbaren Vorgaben der Berufsgrundsätze des VID und der Empfehlungen der Uhlenbruck-Kommission.

InsO Excellence
Das Zertifikat des Gravenbrucher Kreises, ausschließlich für dessen Mitglieder bestimmt, bildet eine Weiterentwicklung des ISO 9001 und des InsO 9001 . Es umfasst rund 220 konkrete Prüfungspunkte. Insolvenzverwalter müssen ihre Fähigkeiten bei Themen wie Konzerninsolvenzen, Betriebsfortführungen und internationale Insolvenzverfahren gegenüber einer unabhängigen Prüfungsstelle nachweisen. Bis Ende 2012 sollen sich alle Mitglieder des Gravenbrucher Kreises dem Prüfungsverfahren unterziehen.

GSV-Gütesiegel
Die Gläubigerschutzvereinigung Deutschlands gibt seit April 2011 ein eigenes Gütesiegel für Insolvenzverwalter heraus. Dabei werden unter anderem die sachliche Infrastruktur, die Berufs- und Restrukturierungserfahrung anhand vorgegebener Kriterien überprüft.

ZertRate
Die ZertRate Forschungsgruppe hatte sich zum Ziel gesetzt, ein „Rating" zu ermitteln und somit ein „Leistungszertifikat" auszustellen, um die Auswahl eines Insolvenzverwalters zu erleichtern. Momentan ist aber nicht sicher, ob dieses Zertifikat fortgeführt wird.

Lokale Ansätze
Während es sich bei den Zertifizierungen um nationale bzw. internationale Kriterienkataloge handelt, setzen einzelne Gerichte auf lokale Lösungen und haben mittlerweile sogar eigene Standards eingeführt.

Doch diese Ansätze spielen ebenso wie alle Zertifizierungen bei der konkreten Auswahl eines Verwalters, wenn überhaupt, bislang nur eine untergeordnete Rolle. Angesichts der bestehenden Fülle von Standards bleibt zu diskutieren, ob Insolvenzkanzleien sämtliche Zertifizierungen durchlaufen sollten oder ob der Branche nicht mit einem einheitlichen und somit aussagekräftigen Standard mehr geholfen wäre. Doch Laotse sagte schon: "Der große Weg ist sehr einfach, aber die Menschen lieben die Umwege."

Statistik: Weniger Insolvenzen im ersten Halbjahr

In Deutschland verringerte sich die Zahl der Unternehmens- und Verbraucherinsolvenzen. Die deutschen Amtsgerichte meldeten im ersten Halbjahr des laufenden Jahres 15.247 Unternehmensinsolvenzen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes entspricht dies einem Rückgang von 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen lag in den ersten sechs Monaten 2011 mit 51.778 Fällen um 3,9 Prozent niedriger als im ersten Halbjahr 2010. Die voraussichtlichen offenen Forderungen der Gläubiger beliefen sich für das erste Halbjahr 2011 nach Angaben der Gerichte auf 15,8 Milliarden Euro.

Nachfolgend die größten Unternehmensinsolvenzen im Überblick (in Mio. Euro):

Beluga GroupSchiffsbau/-Catering425
Schlott GruppeDruck-/Verlagsindustrie300
Sellner GroupAutomobilzulieferer179
AKT-GruppeAutomobilzulieferer170
J. Funk MediengruppeDruck-/Verlagsindustrie142
Frenzel UnternehmensgruppeLebensmittelindustrie120
Alkor-Venilia GmbHWohnaccessoires110
Wehmeyer Lifestyle GmbHBekleidungshandel70
Moll Maschinenbau/Engineering GmbHMaschinenbau70
Brunnenkopp Wilhelm KoppLebensmittelindustrie70

Zukunft bei Frenzel Tiefkühlkost gesichert

Das Insolvenzverfahren Frenzel Tiefkühlkost zählt zu den bislang größten Verfahren im Jahr 2011 - und PLUTA-Rechtsanwalt Dr. Stephan Thiemann gehört hier zu den maßgeblichen Insolvenzverwaltern. Anfang dieses Jahres stellte der drittgrößte Anbieter von Tiefkühlprodukten in Deutschland Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Bereits wenige Wochen später konnte die Zukunft des bedeutenden Arbeitgebers in Sachsen und Thüringen zu einem guten Teil gesichert werden.

Durch den Verkauf großer Unternehmensteile an die FZ-Foods AG, eine Tochtergesellschaft der KTG Agrar AG, blieben 90 Arbeitsplätze der Standorte Ringleben und Choren erhalten. Thiemann verkaufte kurze Zeit später auch den Teilbetrieb der Garküche-Tiefkühlproduktion - dieses Mal die Unternehmensgruppe Hänchen der Käufer.

PLUTAaktuell

BenQ - Quote bei BenQ liegt bereits bei 65 Prozent

Quote bei BenQ liegt bereits bei 65 Prozent

Im Insolvenzverfahren BenQ Mobile GmbH & Co. OHG erhielten die Gläubiger im August 2011 eine zweite Ausschüttung in Höhe von 30 Prozent ihrer angemeldeten Forderungen. PLUTA-lnsolvenzverwalter Dr. Martin Prager fahndet unterdessen nach ehemaligen Beschäftigten der früheren Handy-Sparte des Siemens-Konzerns, um auch deren Ansprüche zu befriedigen.

München Die Grundlage für die erneute Ausschüttung hatte Dr. Prager im Herbst 2010 gelegt, als er einen Vergleich mit dem taiwanesischen Elektronikkonzern Qisda Corp., der ehemaligen BenQ Corp., über alle gegenseitigen Forderungen abschloss. Qisda verzichtete hierbei auf alle Ausschüttungen aus den laufenden Insolvenzverfahren und reduzierte damit die ursprünglich angemeldete Forderungssumme in Höhe von 1,4 Milliarden Euro um 450 Millionen Euro - ein Umstand, der den rund 5.000 Gläubigern jetzt zugutekommt.

Aufwändige Recherche nach dem Verbleib ehemaliger Mitarbeiter
Zu diesen Gläubigern zählen die meisten der insgesamt mehr als 3.000 ehemaligen BenQ-Beschäftigten, die von dem Insolvenzantrag im September 2006 betroffen waren. Doch längst nicht alle sind im jüngsten Verteilungsverzeichnis enthalten, da dem Insolvenzverwalter keine oder nur unvollständige Angaben zur Verfügung stehen. In vielen Fällen fehlt die unerlässliche Steueridentifikationsnummer, in anderen Fällen haben Ex-Mitarbeiter es versäumt, einen Wechsel ihrer Kontoverbindung oder die Adresse mitzuteilen. Mit Hochdruck fahndet das PLUTA-Team nach dem Verbleib dieser ehemaligen Beschäftigten und hat hierzu unter anderem im Internet einen entsprechenden Aufruf veröffentlicht sowie eine eigene E-Mail als Kontaktadresse eingerichtet: mobilebenq.ausschuettung@pluta.net

Sobald genügend Informationen vorliegen, ist die Niederlegung eines weiteren Verteilungsverzeichnisses bei Gericht geplant. Bis zum voraussichtlichen Abschluss des Insolvenzverfahrens Ende 2013 dürfte auch danach noch Raum für weitere Ausschüttungen bleiben - die jetzt erreichte Quote von 65 Prozent bildet nur einen Zwischenstand.

PLUTA - Top-Kanzlei im Insolvenzrecht

Top-Kanzlei im Insolvenzrecht

Ulm Die PLUTA Rechtsanwalts GmbH zählt für die WirtschaftsWoche zu den Top-Kanzleien im Insolvenzrecht in Deutschland. Im Frühjahr 2011 veröffentlichte das Wirtschaftsmagazin die Ergebnisse einer mehrstufigen Analyse sämtlicher Insolvenzrechtler. Dabei ermittelte die WirtschaftsWoche in einem ersten Schritt aus den rund 2.500 Berufsträgern über 70 Adressen, die von Experten und in Datenbanken wiederholt positiv genannt wurden. Zehn Experten wählten hieraus 38 Insolvenzrechtler für das Elite-Panel aus. Eine fünfköpfige hochkarätige Jury kürte danach die 25 Top-Kanzleien nach vier Kriterien: nachweisbare Erfolge, langjährige Erfahrung, Stärke des Teams und Spezialisierung.

Zustimmung für Insolvenzplan

Leipzig Bei der Leipziger RT Gruppe arbeitet PLUTA-Rechtsanwalt Michael Schoor derzeit als Sachwalter. Mehrere Gesellschaften des Spezialisten für Druckdienstleistungen und Printmedienproduktionen hatten im April Insolvenzanträge gestellt. Der im Monat zuvor an Bord gekommene neue Geschäftsführer Dr. Christian Heintze hatte zu diesem Zeitpunkt die Anordnung der Eigenverwaltung für zwei Gesellschaften beantragt; deren Gläubigerversammlungen bestätigten dies im August.

Die Arbeitsteilung zwischen dem Geschäftsführer und dem Sachwalter ist klar: Während Heintze das operative Geschäft reorganisiert, konzentriert sich Schoor auf insolvenzspezifische Themen. In diesem Zusammenhang veräußerte er eine in Wien ansässige RT Gesellschaft; eine kleinere Gesellschaft musste geschlossen werden.

Bei den beiden Kerngesellschaften der RT Gruppe gelang die Fortführung auch dank der Unterstützung durch Lieferanten, Dienstleister und Banken. Im September hat das zuständige Gericht den Insolvenzplan zugelassen und die Gläubiger haben dem Plan mit großer Mehrheit zugestimmt. Damit ist ein Abschluss des Insolvenzverfahrens Anfang 2012 möglich. Schoor ist hoffnungsvoll, dass die RT Gruppe in die Erfolgsspur zurückkehrt.

Bildung schützt nicht vor Insolvenz

Frankfurt am Main Spezielle Pädagogik und individuelle Betreuung – immer mehr Eltern schicken ihre Kinder deshalb in private Bildungseinrichten. Von diesem Trend überrollt wurde die Lehrerkooperative – Bildung und Kommunikation e.V. Sie betreibt in Frankfurt am Main zwei Schulen sowie 20 Kindertagesstätten und beschäftigt mehr als 400 Mitarbeiter und 250 Honorarkräfte.

Seit März 2011 verantwortet PLUTA-Rechtsanwalt Dr. Stephan Laubereau den gemeinnützigen Verein als Insolvenzverwalter. Die Lehrerkooperative ist zu schnell gewachsen. Ohne ausreichendes Controlling konnte der Verein das nicht verkraften. Nun muss der kaufmännische Bereich neu strukturiert werden, damit die mehr als 20 Jahre alte Lehrerkooperative auch eine Perspektive für die nächsten Jahre hat. Insolvenzverwalter Laubereau führt dabei den Betrieb der Bildungseinrichten uneingeschränkt weiter; über 1500 Kinder werden dort derzeit betreut.

Rund 500 Wohnungen warten auf Fertigstellung

Stuttgart Nachdem der Stuttgarter Baulöwe Rudi Häussler im vergangenen Jahr für mehrere Gesellschaften Insolvenz anmelden musste, sorgt insbesondere das Bauprojekt Seepark für Gesprächsstoff in der Schwabenmetropole. In bevorzugter Lage in Stuttgart-Möhrignen am Probstsee sollten rund 500 Wohnungen entstehen – bislang ist nur der Rohbau fertiggestellt.

Michael Pluta und sein Team, das insgesamt sieben Insolvenzverfahren im Umfeld der Häussler-Gruppe bearbeitet, suchen mit Hochdruck gemeinsam mit der Gläubigerbank nach einer Lösung, um das Renommierprojekt des mittlerweile 83-jährigen Häusslers fortzuführen. Gleiches gilt für das Projekt Villa Berg. Auf dem Areal der ehemaligen SWR-Fernsehstudios sollten ebenfalls Neubauwohnungen entstehen und zudem eine denkmalgeschützte Villa auf Vordermann gebracht werden. Derzeit laufen Gespräche mit mehreren Interessenten für das Areal.

Deutschlands größter Veranstalter für Tauchreisen erfolgreich veräußert

München Kurz vor Beginn der Feriensaison stellte die ORCA Reisen GmbH im April einen Insolvenzantrag. Das PLUTA-Team begann sofort mit der Suche nach einem Käufer für den Rosenheimer Spezialisten für Tauchurlaube, der pro Jahr Reisen für mehr als 10.000 Unterwasserliebhaber organisiert hatte. Im Juli gelang dem Insolvenzverwalter Dr. Martin Prager der Verkauf von ORCA an die Deutsche Skylink Aviation GmbH.

Für Urlauber, die zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags mit ORCA unterwegs waren oder eine Reise gebucht hatten, erwies sich die obligatorische Reiseversicherung als großer Vorteil: Die Versicherung gewährleistet den Rückflug der Urlauber sowie die Rückzahlung geleisteter Zahlungen.

Dialog: Interview mit Dr. Stephan Laubereau

„Die Firma läuft noch heute richtig gut.“

War Insolvenzverwalter Ihr Traumberuf?
Die Tätigkeit, die ich heute ausübe, ist in der Tat mein Traumberuf. Zu Beginn meines Studiums kannte ich den Beruf allerdings noch gar nicht; ich habe ihn erst in meiner Zeit im Bereich Corporate Recovery bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für mich entdeckt.

Was reizt Sie an diesem Beruf?
Die Mischung als Betriebswirtschaft und Jura. Sie hat mich schon als junger Mensch gereizt und dazu geführt, dass ich nach einer Banklehre Jura und BWL studiert habe. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Sie sind ständig mit Unternehmen in Krisensituationen konfrontiert und bleiben daher immer auf dem Boden der Tatsachen.

Und was stört Sie?
Die ausufernde Sozialbürokratie ist manchmal schon ein Hindernis in der täglichen Arbeit. Ich denke hierbei insbesondere an die vielen Bescheinigungen und Bestätigungen, die wir ausstellen und beachten müssen. Wir könnten deutlich schneller arbeiten, wenn man hier die Prozesse straffen würde.

Wie können Sie abschalten?
Ich gehe gerne joggen. Fast jeden Sonntag laufe ich rund 10 Kilometer mit Freunden. Dabei kann ich wunderbar abschalten und bin dann voll motiviert, um in die Arbeitswoche zu starten und meine Verfahren zu bearbeiten.

Welches Verfahren hat Sie am wenigsten abschalten lassen?
Es gibt immer wieder Situationen, wo Sie ein bestimmtes Verfahren auch am Wochenende und nachts beschäftigt. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Situation bei der Dystar, einem Hersteller für Textilfarben. Dort hatten wir nach monatelangem Bemühen um eine Fortführung die Kündigungen für 1.300 Mitarbeiter auf den Postweg gebracht, als wir in buchstäblich letzter Sekunde noch einen Käufer finden konnten.

An welchen Fall erinnern Sie sich besonders gerne?
An die Insolvenz einer Baufirma. Nach zwei Jahren Fortführung gelang hier am Ende noch die übertragende Sanierung – mit nachhaltigem Erfolg. Denn die Firma läuft nach wie vor richtig gut.

Dr. Stephan Laubereau

Zur Person

Dr. Stephan Laubereau ist seit 2000 als Insolvenzverwalter im Rhein-Main-Gebiet tätig und leitet seit seinem Wechsel zu PLUTA 2006 die dortige Niederlassung in Frankfurt.

Der Familienvater ist Fachanwalt für Insolvenzrecht und Mitglied in der INSOL Europe sowie beim VID Verband Insolvenzverwalter Deutschland e.V.

Hinweise
PLUTAnews erscheint dreimal jährlich mit aktuellen Branchen Insights der Sanierungs- und Restrukturierungsbranche. Nachdruck und Vervielfältigungen sind nur mit vorheriger Genehmigung von PLUTA gestattet.

Zu den Bildnachweisen

Redaktion
Dr. S. Laubereau
M. Pluta