Industriestandort Deutschland: Es brennt. Wie löschen?



Wer einen Industriebetrieb retten will, fängt bei den Auftraggebern an. Nicht beim Geld.
Fr. Herzog: Viele produzierende Unternehmen wandern ab und Industriejobs verschwinden. Wie tief ist die Krise wirklich, Herr Dr. Kaufmann?
Herr Dr. Kaufmann: Unternehmen stehen derzeit unter erheblichem Druck durch eine Kombination externer Faktoren. Hohe Energie- und Personalkosten, zunehmende Konkurrenz aus Asien sowie der Transformationsdruck in vielen Industriezweigen belasten viele Betriebe. Gleichzeitig ist die Nachfrage in wichtigen Kernbranchen wie Automotive oder Maschinenbau schwächer als in den vergangenen Jahren. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten und weiterhin fragile Lieferketten. Viele Unternehmen sind operativ leistungsfähig, geraten aber durch die Summe dieser Entwicklungen in eine finanzielle Schieflage.
Fr. Herzog: Wie können Sie unter diesen Umständen zur Rettung industrieller Substanz beitragen?
Herr Dr. Kaufmann: Zunächst geht es darum, ein Unternehmen schnell zu stabilisieren, insbesondere durch die Sicherung der Liquidität. Parallel setzen wir strukturierte Investorenprozesse auf und setzen notwendige strukturelle Anpassungen um. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist dabei die Einbindung der Kunden.
In mehreren Verfahren haben wir frühzeitig Gespräche mit den wichtigsten Auftraggebern geführt, um Mindestabnahmemengen zu vereinbaren und damit eine belastbare Umsatzplanung zu ermöglichen. Gleichzeitig haben wir Zahlungsbedingungen neu verhandelt, sodass potenzielle Investoren die notwendige Planungssicherheit erhalten. So konnten wir etwa beim Automobilzulieferer Kurt Erxleben oder LMB Kunststofftechnik auf diesem Weg Fortführungsperspektiven schaffen. Klar ist: Dafür braucht es eine große gemeinsame Kraftanstrengung aller Beteiligten.
Fr. Herzog: Sie erwähnten, dass auch in herausfordernden Branchen eine Lösung möglich ist. Was ist in solchen Fällen der Schlüssel zum Erfolg?
Herr Dr. Kaufmann: Ganz entscheidend ist derzeit, in der es eine deutliche Zurückhaltung von Investoren in Investitionen in Deutschland gibt aufgrund der eingangs genannten Rahmenbedingungen, ein hohes Engagement aller Beteiligten. Nachfolgelösungen sind möglich, gelingen aber nur bei überobligatorischer Kraftanstrengung. Ich bin stolz darauf, dass es uns ganz überwiegend gelingt, auch in diesen schwierigen Zeiten Nachfolgelösungen umzusetzen.
Vielen Dank für das Gespräch.




