Hotelleriebranche: Volle Betten – leere Kassen?

Steigende Kosten, volatile Auslastung und hohe Fixkosten stellen viele Hotelbetriebe vor große Herausforderungen. Die Sanierungsexperten Georg Stemshorn und Florian Zistler haben in den vergangenen Monaten Hotelbetriebe restrukturiert und erläutern, worauf es bei einer Sanierung ankommt.
Fr. Herzog: Wo liegen aktuell die größten Ursachen für wirtschaftliche Probleme in der Hotellerie, Herr Stemshorn?
Herr Stemshorn: Hotels haben eine ausgeprägte Fixkostenstruktur, insbesondere bei Personal, Energie und Pacht. Wenn dann Geschäftsreisen zurückgehen oder Buchungen ausbleiben, entstehen schnell Liquiditätsengpässe. Gleichzeitig binden langfristige Verträge Kapital und schränken die Flexibilität ein.
Fr. Herzog: Herr Zistler, welche Sanierungsansätze haben sich bewährt?
Herr Zistler: Der erste Schritt ist immer eine belastbare Liquiditätsplanung für die nächsten Monate. Gerade mit den Mitteln der InsO, aber auch im Rahmen der Sanierungsberatung, können wir notwendige Anpassungen umsetzen und Lösungen erzielen. Wichtig ist, dass wir mit allen wichtigen Beteiligten, insbesondere mit Finanzierern, Franchisegebern und Verpächtern Gespräche führen.
Fr. Herzog: Welche Stakeholder sind besonders sensibel?
Herr Stemshorn: Firmenkunden mit Rahmenverträgen müssen frühzeitig informiert werden, sie stellen eine große Anspruchsgruppe dar. Ebenso Zahlungsdienstleister, die über die Liquiditätsströme entscheiden. Franchisegeber spielen eine wichtige Rolle bei Marken- und Vertragsfragen und müssen ins Boot geholt werden.
Herr Zistler: Auch die Mitarbeiter dürfen nicht vergessen werden. Die Beschäftigten spielen eine zentrale Rolle, denn sie stellen die Visitenkarte des Betriebes dar. Und nur zufriedene Gäste sorgen für eine nachhaltige Geschäftsentwicklung. Die Zahl der Hotelübernachtungen lag 2025 leicht über dem Vorkrisenniveau von 2019. Das Wachstum hat sich aber abgeschwächt.
Vielen Dank für das Gespräch.

Fazit
In der Praxis zeigt sich: Eine erfolgreiche Neuaufstellung in der Hotellerie gelingt nur, wenn betriebliche Realität und strategische Ausrichtung zusammengebracht werden. Entscheidend sind eine jederzeit belastbare Liquiditätsplanung, klare Positionierung im Markt und konsequente Anpassungen bei Kosten und Prozessen. Wer früh handelt, transparent kommuniziert und mutig strukturelle Veränderungen umsetzt, schafft die Grundlage für eine nachhaltige Zukunft.






