ArtikelAutomobil

Go West! Chinesischer Druck auf europäische Autobauer

Autofrachter

Auf der IAA Mobility in München stand die nächste Generation batterieelektrischer Fahrzeuge im Fokus. Die deutsche Automobilindustrie hat den Fehdehandschuh aufgenommen und steigt in den Kampf um die Technologieführerschaft in der E-Mobilität ein.

Dafür ist es höchste Zeit, denn der chinesische Angriff auf die europäischen Märkte ist in vollem Gange. Trotz eines verlangsamten Wachstums bietet China nach wie vor das größte Potenzial für die Automobilindustrie. Das zeigen die Zahlen zum Sättigungsgrad auf den weltweiten Märkten. Während in den USA 904 von 1.000 Einwohnern ein Kraftfahrzeug besitzen, sind es in der EU 673 – und in China lediglich 245. Auch klar ist: der Wachstumsmarkt bestimmt die bevorzugte Technologie. 47 % der neu zugelassenen Fahrzeuge in China haben einen elektrischen Antrieb.

Über 100 Start-ups und ein halbes Dutzend etablierter Großserienhersteller aus China bedienen den Markt. Und auf der Suche nach neuen Absatzmärkten dreht China die Richtung um. Drangen früher insbesondere deutsche Marken nach China vor, heißt der Trend nun „Go West!“. Gleichzeitig bereiten chinesische Hersteller die Fertigung von Teilen und Fahrzeugen in der gesamten Wertschöpfungskette in Osteuropa vor. Niedrige Lohnkosten, überschaubare bürokratische Anforderungen und die Nähe zu zahlungskräftigen Märkten locken die Hersteller nach Polen, Ungarn und in die Türkei. Für die deutsche Automobilwirtschaft eine Hiobsbotschaft. Bereits in der Restrukturierung befindliche Unternehmen sehen sich weiterer Konkurrenz ausgesetzt. Und Zulieferer mit traditionell geringen Margen erhalten neue Wettbewerber vor der Haustür. Die Gefahr von Insolvenzen steigt damit weiter.

Noch sind die Absatzzahlen der chinesischen Hersteller in Europa überschaubar. Die zumeist batteriebetriebenen Fahrzeuge treffen auf eine unentschiedene Käuferschaft und kämpfen gegen Vorurteile bezüglich Qualität und Sicherheit. Zudem versuchten die chinesischen Hersteller, in den gehobenen Fahrzeugklassen zu hohen Preisen zu verkaufen, ohne ein der deutschen Konkurrenz ebenbürtiges Markenimage bieten zu können. Spätestens jedoch, wenn sie ihre Kostenvorteile in der Kompaktklasse ausspielen, dreht sich das Spiel.

Fazit
Der Konsolidierungsdruck auf die deutsche und europäische Automobilwirtschaft wird weiter steigen. Zwangsläufig werden damit eine Konzentration im Zulieferbereich und weitere Unternehmensinsolvenzen einhergehen. Nur Hersteller mit konkurrenzfähigen Produkten zu konkurrenzfähigen Preisen überstehen langfristig den Angriff aus Fernost.