PressemitteilungInsolvenz

PLUTA Sanierungsexperte Stemshorn findet Investor: WIKUS übernimmt Geschäftsbereiche von J.N. Eberle aus Augsburg

Insolvenzverwalter Georg Jakob Stemshorn von der PLUTA Rechtsanwalts GmbH hat mit der WIKUS-Sägenfabrik Wilhelm H. Kullmann GmbH & Co. KG einen Investor für wesentliche Teile des traditionsreichen Augsburger Unternehmens J.N. Eberle & Cie. GmbH gefunden. Die WIKUS-Gruppe mit Hauptsitz in Spangenberg in Hessen übernimmt die Bimetallsparte. 74 Arbeitsplätze bleiben am Standort in Augsburg erhalten. Der Kaufvertrag wurde heute unterzeichnet.

Gleichzeitig sind aufgrund der notwendigen Restrukturierung und der Geschäftsentwicklung von Eberle erhebliche Einschnitte unvermeidbar. Rund 160 Mitarbeitern muss daher leider gekündigt werden. Der Sozialplan und Interessensausgleich wurden in der vergangenen Woche unterzeichnet. „Unter den derzeit sehr herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist die erzielte Einigung mit WIKUS ein Erfolg. Es ist erfreulich, dass wir mit WIKUS einen strategischen Investor gewinnen konnten, der die Branche sehr gut kennt und der Bimetallsparte eine langfristige Perspektive bietet. Damit erhalten wir das Know-how von Eberle“, sagt Insolvenzverwalter Georg Jakob Stemshorn. „Mein Dank gilt allen Beteiligten, die in den vergangenen Monaten konstruktiv an dieser Lösung mitgewirkt haben. Der Abbau von Arbeitsplätzen ist ein schmerzhafter Schritt. Wie bereits kommuniziert, ist die deutliche Reduzierung der Mitarbeiterzahl jedoch erforderlich, um die Kostenbasis an die Geschäftsentwicklung anzupassen.“

Für die J.N. Eberle & Cie. GmbH hatte das Amtsgericht Augsburg – Insolvenzgericht – Anfang Mai 2026 die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet und Rechtsanwalt Georg Jakob Stemshorn zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Das Amtsgericht eröffnete das Verfahren am 26. August 2026 und bestellte Stemshorn zum Insolvenzverwalter.

Seit der Antragstellung führte der PLUTA Sanierungsexperte mit seinem Team den Geschäftsbetrieb fort. Im Team arbeitet neben Georg Jakob Stemshorn unter anderem Wirtschaftsjurist Maximilian König. Parallel starteten die Verantwortlichen einen strukturierten M&A-Prozess, für dessen Durchführung die Transaktionsexperten von EY-Parthenon unter der Projektleitung von Partner Markus Fischer und Director Dr. Daniel Blum beauftragt wurden. Zudem wurden die Verfahrensbeteiligten von den Restrukturierungsexperten von EY-Parthenon unter der Projektleitung von Partner Maximilian Dressler und Director Steffen Richter maßgeblich im Verfahren unterstützt.

Nach einer ersten Phase mit mehreren unverbindlichen Angeboten folgten intensive Gespräche und Due-Diligence-Prüfungen mit potenziellen Investoren. Zuletzt lagen drei verbindliche Angebote vor. Schlussendlich setzte sich WIKUS mit dem besten Angebot durch.

Strategischer Investor mit Branchenkompetenz

Die Wurzeln von Eberle reichen bis ins Jahr 1836 zurück. Das Unternehmen ist auf hochwertige Stahlprodukte spezialisiert und verfügt über eine internationale Kundenbasis. Zum Produktportfolio zählen Präzisionsbandstahl, Bimetall und Bandsägen sowie Handelswaren.

WIKUS zählt zu den führenden Unternehmen beim Trennen von Metall. Das familiengeführte Unternehmen mit Hauptsitz in Spangenberg (Nordhessen) entwickelt und produziert seit 1958 leistungsstarke Hightech-Sägebänder für die Metallbearbeitung. Mit mehr als 750 Mitarbeitenden weltweit setzt WIKUS technologische Maßstäbe und unterstützt Anwender dabei, ihre Sägeprozesse effizient, wirtschaftlich und nachhaltig zu gestalten. Ergänzend zum Produktportfolio bietet das Unternehmen digitale Service- und Analyse-Tools, intelligente Lösungen zur Optimierung von Prozessen sowie umfassende technische Beratung. Ein internationales Netzwerk aus eigenen Vertriebs- und Servicegesellschaften gewährleistet weltweit eine persönliche Betreuung und Kundennähe vor Ort.

WIKUS wird die Bimetallsparte übernehmen und in einer eigenständigen Tochtergesellschaft fortführen. Die Produktion sowie der Vertrieb und weitere Verwaltungsbereiche werden künftig im Großraum Augsburg gebündelt. Auch der Sägenvertrieb bleibt erhalten. Die Eberle-Produktionssparten Sägen und C-Stahl werden eingestellt. Für den Bereich C-Stahl wird es eine geordnete Ausproduktion geben.

Sven Koepchen, Vorsitzender der Geschäftsführung der WIKUS-Gruppe, erklärt: „Eberle verfügt über langjährige Erfahrung, hohe technische Kompetenz und etablierte Kundenbeziehungen. Die Bimetallsparte ergänzt unser bestehendes Geschäft sehr gut. Wir sind überzeugt, dass wir dieses Know-how erfolgreich weiterentwickeln können. Mit der Übernahme schaffen wir eine tragfähige Perspektive für den Geschäftsbereich und die Beschäftigten.“

Know-how bleibt erhalten

Auch der bisherige Geschäftsführer von Eberle, Gernot Egretzberger, hat den Sanierungs- und Investorenprozess in den vergangenen Monaten begleitet und an einer Zukunftslösung gearbeitet. Er sagt: „Die wirtschaftliche Situation hat eine Fortführung von Eberle in der bisherigen Struktur leider nicht zugelassen – für viele Mitarbeiter ist das ein schmerzhafter Einschnitt. Umso wichtiger ist es, dass durch den erfolgreichen Investorenprozess 74 Arbeitsplätze und wesentliches industrielles Know-how erhalten werden konnten. Gleichzeitig unterstützen wir die ausscheidenden Mitarbeiter aktiv bei ihrer Neuorientierung und haben dazu bereits Gespräche mit sechs Unternehmen aus der Region angestoßen.“

Insolvenzverwalter Stemshorn bedankt sich für die Unterstützung: „Die Stadt Augsburg und der Oberbürgermeister haben den Prozess sehr positiv begleitet. Gerade bei einem traditionsreichen Unternehmen ist es wichtig, dass alle Beteiligten gemeinsam nach tragfähigen Lösungen suchen, um Industriearbeitsplätze in Augsburg zu erhalten.“

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