Glasfasermarkt: Schwache Nachfrage bei steigendem Refinanzierungsdruck

PS: Herr Weyres-von Levetzow, warum stehen die Netzbetreiber aktuell so unter Druck?
JWvL: Die Verfügbarkeit von Glasfaseranschlüssen steigt kontinuierlich. Die Herausforderung liegt aber in der schwachen Nachfrage und der damit ausbleibenden Monetarisierung. Viele Unternehmen haben massiv investiert, aber ein großer Teil der Anschlüsse wird bislang nicht aktiv genutzt. Aktuelle Zahlen zeigen, dass nur rund 27 % der verfügbaren Anschlüsse tatsächlich aktiviert sind. In Deutschland verfügen lediglich 13 % der Haushalte über einen aktiven Glasfaseranschluss. Das bedeutet: Die Infrastruktur ist vorhanden, generiert aber noch keinen ausreichenden Cashflow. Für viele Netzbetreiber wird genau das zunehmend zur wirtschaftlichen Herausforderung.
PS: Woran liegt die geringe Nutzung vieler Anschlüsse?
JWvL: Viele Verbraucher sehen aktuell noch keinen zwingenden Bedarf zu wechseln, weil bestehende Internetanschlüsse oft als ausreichend wahrgenommen werden. Hinzu kommt eine sehr fragmentierte Marktstruktur. Neben den bekannten Telekommunikations-unternehmen investieren auch zahlreiche regionale Unternehmen in den Ausbau, die teilweise parallele Netze betreiben. Die geringe Nachfrage und damit niedrigen Umsatzerlöse decken häufig noch nicht einmal die Fixkosten der Netzbetreiber. Der wirtschaftliche Druck in der Branche steigt dadurch spürbar. Aus unserer Sicht erscheint eine Konsolidierung des Marktes deshalb zunehmend wahrscheinlicher. Darauf müssen sich die Unternehmen einstellen.
PS: Welche Auswirkungen haben steigende Zinsen und Finanzierungskosten?
JWvL: Schätzungen zufolge lasten rund 25 Milliarden Euro Fremdkapital auf der Branche, soweit es sich um in Deutschland aktive Unternehmen handelt. Die Auswirkungen sind erheblich. Viele Geschäftsmodelle wurden ursprünglich unter anderen Finanzierungsbedingungen kalkuliert. Heute sind sowohl Ausbaukosten als auch Zinsen deutlich höher. Dadurch geraten selbst Unternehmen mit funktionierendem operativem Geschäft zunehmend unter Refinanzierungsdruck. Viele Netzbetreiber müssen deshalb ihre Finanzierung und Investitionsstrategie neu bewerten.
PS: Worauf kommt es für die Anbieter jetzt besonders an?
JWvL: Entscheidend ist ein realistischer Blick auf die eigene Situation. Dafür haben wir ein ganzheitliches Modell entwickelt, das die Netzbetreiber systematisch anhand ihres aktuellen Status quo einordnet. Dabei betrachten wir insbesondere die operative Leistungsfähigkeit unter Berücksichtigung der finanziellen Ausgangssituation und Perspektive. Auf dieser Basis lassen sich konkrete strategische und operative Handlungsempfehlungen ableiten.
PS: Welche Unternehmen werden sich langfristig erfolgreich am Markt behaupten?
JWvL: Künftig ist nicht die Zahl neu ausgebauter Anschlüsse entscheidend, sondern die Fähigkeit, bestehende Netze profitabel auszulasten. Unternehmen, die frühzeitig auf Aktivierungsquoten, stabile Cashflows und effiziente Strukturen setzen, haben klare Vorteile. Die Branche steht nach unserer Einschätzung vor einer Konsolidierung. Diejenigen Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle jetzt konsequent auf Profitabilität ausrichten, werden gestärkt daraus hervorgehen.
Vielen Dank für das Gespräch.
