Branchenberichte: Automobilzulieferer unter Druck
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Automobilzulieferer unter Druck

Die Automobilindustrie steht vor großen Herausforderungen. Experten gehen davon aus, dass sich die gesamte Branche in den kommenden Jahren stark verändern wird. Hierauf müssen die Zulieferer reagieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

PLUTAcompact: Automotive

Automobilzulieferer stehen vor zwei großen Herausforderungen: dem generellen Preisdruck und einem technischen und organisatorischen Veränderungsdruck.

Traditionell wird der Preisdruck in der Automobilbranche an die Zulieferkette weitergegeben. So mancher dieser Betriebe hält dem starken Preisdruck nicht stand. Die Folge: viele deutsche Unternehmen mussten Insolvenz anmelden. Besonders dramatisch war die Lage zuletzt während der Automobilkrise in den Jahren 2008 und 2009, als die Zahl der Insolvenzen deutlich in die Höhe schnellte.

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Referenzen (Auswahl)

  • Geiger technologies
  • Metallgießerei Scheeff
  • Admould Werkzeugbau
  • TACO Kunststofftechnik
  • YTAB Industrielackierungen
  • Suhler Gesenkschmiede und Bearbeitungswerk
  • Altec Automotive GmbH
  • Kittel Supplier

Planungssicherheit durch mehrjährige Verträge

Im Insolvenzverfahren der Geiger technologies GmbH erhalten die Gläubiger eine Quote von über 80 Prozent. Im laufenden Jahr wird die Schlussverteilung erfolgen und das Verfahren abgeschlossen. Mit Geiger technologies musste vor einigen Jahren ein großer Automobilzulieferer mit über 900 Mitarbeitern Insolvenz anmelden. Das PLUTA-Team um Dr. Martin Prager und Ivo-Meinert Willrodt konnte damals für den Hersteller von Kunststoffkomponenten eine Fortführungslösung erzielen und die Vermögenswerte an die niederländische HTP Investments B.V. veräußern. Ein Standort musste geschlossen werden, ein Großteil der Mitarbeiter an zwei weiteren deutschen Standorten wurde übernommen. Außerdem war es gelungen, mit wichtigen Kunden mehrjährige Verträge abzuschließen, was für die Planungssicherheit bei Geiger von großem Vorteil war. Seit 2013 gehört die heutige Geiger Automotive GmbH zur japanischen Sanoh-Gruppe.

„Kommunizieren und dann auch liefern“

Herr Glück, Sie haben schon viele Automobilzulieferer saniert. Gibt es hier Besonderheiten im Vergleich zu anderen Branchen?
Auf jeden Fall. Die Automobilproduzenten (OEMs) haben für jedes Teil oder System immer mehrere Zulieferer. Das Stichwort heißt „Second Source“. Oft ist die Second Source in der Lage, den gesamten Umfang zu liefern. Außerdem handelt es sich um ein Massengeschäft. Die Zulieferer haben zwar meist langfristige Rahmenverträge, aber wenn sie großvolumige Aufträge verlieren, kommt die gesamte Kalkulation ins Wanken.

Was ist wichtig bei der Restrukturierung?
Der Sanierer muss das verloren gegangene Vertrauen schnell zurückgewinnen. Es kommt darauf an, sofort nach Insolvenzantrag zu kommunizieren, dass der Betrieb weiter produziert. Die vereinbarten Mengen muss das Unternehmen dann auch liefern,- und zwar in der geforderten, hohen Qualität und der zugesagten Liefertreue. Man muss alles daran setzen, dass die Kunden nicht zu einer neuen „Second Source“ wechseln.

Gibt es noch weitere Aspekte?
Ungefähr alle zwei Jahre führen die OEMs eine Modellpflege durch oder bringen neue Modelle auf den Markt. Neue Komponenten werden angefragt. Die Krisenfirma sollte doppelt überzeugen, um neue, langfristige Aufträge zu gewinnen: einerseits beim OEM und andererseits auch beim First Tier (Systemlieferant). Insbesondere First Tiers sind in der Kundenstruktur ideal, um sich unabhängiger und breiter am Markt aufzustellen und die Abhängigkeit von einem OEM zu verringern.

Ist Kundenakquise in solchen Situationen überhaupt möglich?
Ja, wir konnten in der Insolvenz schon wichtige Neukunden aus dem First Tier Bereich gewinnen. Damit werden die insolventen Unternehmen natürlich auch für potenzielle Investoren richtig interessant.

Vielen Dank für das Gespräch.

Jochen Glück

Zur Person
Sanierungsexperte Jochen Glück ist seit über 13 Jahren für PLUTA als Interimsmanager tätig. Der Diplombetriebswirt hat in seiner Karriere viele Automobilzulieferer sowie Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau restrukturiert.

„Zu Beginn der Insolvenz schien die Lage fast aussichtslos. Doch die Belegschaft hat immer vollen Einsatz gezeigt. Dieser Teamgeist und die monatelangen Anstrengungen des Verwalters haben sich ausgezahlt, da ein Großteil der Arbeitsplätze gerettet wurde.“

Mustafa Demir, Betriebsratsvorsitzender bei Scheeff

Investitionen zahlen sich aus

Gut ein Jahr dauerte die Sanierung der Metallgießerei Scheeff, einem Automobilzulieferer aus dem schwäbischen Nersingen bei Neu-Ulm mit großem Know-how in der mechanischen Bearbeitung von Gussteilen. Kernstück der Gießerei war zudem eine sehr große Formanlage, wie sie in Deutschland nur wenige Male existiert. Zu Beginn der Insolvenzverwaltertätigkeit war der Auftragsrückstand außerordentlich hoch. Schritt für Schritt konnte dieser jedoch aufgeholt werden. In der Insolvenzzeit entschieden sogar Michael Pluta und Marcus Katholing, rund 1,5 Mio. Euro zu investieren. Auf diese Weise konnte das PLUTA-Team den Geschäftsbetrieb erfolgreich fortführen, wichtige Restrukturierungsmaßnahmen umsetzen und den Betrieb ein Jahr nach Insolvenzantrag an die C.F. Maier-Firmengruppe veräußern. Durch die Übernahme wurden über 100 Arbeitsplätze gerettet. Der Vorteil für den Erwerber: Er konnte damit sein Angebot optimal ergänzen und durch Synergieeffekte die Marktposition ausbauen.

Sanierungs- und Maßnahmenplan erstellen

Herr Dr. Pluta, welche Ursache beobachten Sie am häufigsten bei Krisen von Automobilzulieferern?
Typischerweise gelangen Unternehmen in eine Abwärtsspirale, wenn eine hohe Abhängigkeit zu wenigen OEMs besteht und Qualitätsprobleme auftreten, die nicht beseitigt werden. Krisen treten auch häufig ein, wenn vertraglich vereinbarte Preissenkungen nicht aufgefangen werden können. In der Folge halten die OEMs entweder Neuaufträge zurück oder bauen schlimmstenfalls einen weiteren Lieferanten für die entsprechenden Produkte auf. Die Konsequenz sind schließlich Umsatzrückgänge, die nicht rechtzeitig durch Kostensenkungen ausgeglichen werden.

Welche Maßnahmen müssen die Unternehmen ergreifen?
An erster Stelle steht ein Sanierungs- und Maßnahmenplan. Dazu gehört die Überprüfung der Kalkulation aller Produkte sowie des Qualitäts- und Produktionsmanagements.

In der Krise sollten auch bestehende Verträge mit den OEMs nachverhandelt werden. Die Firma sollte alles unternehmen, um auch neue Aufträge zu gewinnen. In einer Krise kann es hilfreich sein, wenn sich die Unternehmen externe Unterstützung durch Sanierungsmanager ins Haus holen. Zudem müssen die Sach- und Personalkosten an die mittelfristige Umsatzplanung angepasst werden.

Wie messen Sie den Erfolg einer Sanierung bzw. Restrukturierung?
Wenn die Krisenursachen beseitigt sind und das Unternehmen nachhaltig wettbewerbsfähig ist. Dann ist unser Mandat erfüllt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Maximilian Pluta

Zur Person
Dr. Maximilian Pluta leitet den Geschäftsbereich Sanierung und Restrukturierung. Er ist u.a. spezialisiert auf die Erstellung und Umsetzung von Restrukturierungsplänen, vor allem unter betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Gesichtspunkten.

Qualität überzeugt

Die Ausgangslage bei der AdMould Werkzeugbau GmbH war denkbar schlecht, als Michael Pluta zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde. Es gab kaum Aufträge für den Werkzeughersteller, der hauptsächlich Abnehmer aus der Automobilbranche beliefert. Das PLUTA-Team konnte im laufenden Insolvenzverfahren wichtige Kunden halten und sogar einen neuen Kunden gewinnen. Zwei Testaufträge überzeugten das Unternehmen von der hohen Qualität der Produkte von AdMould. Es folgten weitere Bestellungen von bestehenden Kunden, die die Zusammenarbeit mit AdMould wieder ausbauten. Dank dieser positiven Entwicklungen gelang es, einen Investor zu finden. Käufer war die österreichische POLYTEC GROUP mit Hauptsitz in Hörsching. Die Gesellschaft ist ein führender Entwickler und Hersteller von hochwertigen Kunststoffteilen – mit 24 Standorten und über 4.200 Mitarbeitern weltweit. Sie übernahm über eine Tochtergesellschaft alle 26 Mitarbeiter und zwei Auszubildende. Auch die Gläubiger profitieren von der Investorenlösung. Die Insolvenzquote beträgt über 80 Prozent.

Planmäßige Ausproduktion

Traditionell ist die Lieferkette in der Automobilindustrie lang. Fällt dann ein Zulieferer kurzfristig aus, droht dem OEM der komplette Stillstand der Produktionsbänder. Es entstehen Verluste von bis zu sechsstelligen Eurobeträgen pro Tag. Insolvenzverwalter Dr. Martin Prager stellte bei der Insolvenz der TACO Kunststofftechnik GmbH die Fortführung der Lieferkette sicher. Es war keine Investorenlösung für den Automobilzulieferer möglich. Deshalb führten der PLUTA-Experte und sein Team die Ausproduktion in Absprache mit allen Kunden planmäßig durch. Solange konnten diese Ersatz für das Unternehmen aus der Nähe von Coburg finden und entsprechende Zertifizierungsprozesse abschließen. Dadurch und aufgrund hoher Verwertungserlöse und der Durchsetzung von Haftungsansprüchen gelang dem Insolvenzverwalter ein außergewöhnliches Ergebnis: Er konnte nicht nur 100 Prozent auf alle Insolvenzforderungen nach § 38 InsO, sondern sogar eine Quote auf nachrangige Forderungen nach § 39 bezahlen.

Pressestimme: Metallgießerei Scheeff: Wieder auf Sanierungskurs
swp.de · 21.02.2013

Geschäftsfelder von PLUTA

Sanierung und Restrukturierung

Neben der Erstellung integrierter Unternehmensplanungen, Distressed Due Diligences, Compliance-Prüfungen und Sanierungskonzepten nach IDW S6 begleiten wir bei M&A-Prozessen. Lückenloses Controlling und erfahrene Interimsmanager unterstützen eine ertragreiche Vermarktung und sichern den Umsetzungserfolg. So entwickeln wir neue Perspektiven für Unternehmen oder helfen aus der Krise.

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Insolvenzverwaltung

Werterhaltung durch Betriebsfortführung, Massemehrung durch lückenlose Analyse und Geltendmachung insolvenzrechtlicher Ansprüche: das sind unsere Prämissen. Unabhängig von der Branche, dem Produktschwerpunkt oder der Größenklasse von Unternehmen setzen wir Insolvenzpläne fachkundig und konsequent um. So führen wir Unternehmen sicher durch die Krise.

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Rechtsberatung

Die umfassende Beratung und die rechtssichere Vertragsgestaltung mit Bezug zu Gesellschafts-, Arbeits-, Steuer-, Insolvenz- sowie Bank- und Kapitalmarktrecht ist unsere Kernkompetenz. Unsere langjährige Expertise im Bereich Insolvenzrecht zeichnet uns zusätzlich aus. Wir wehren die Ansprüche Dritter durch die gerichtliche und außergerichtliche Vertretung oder schiedsgerichtliche Tätigkeit ab. So sichern wir wirtschaftliche Erfolge von Unternehmen.

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